Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt, um die Erde zu richten.

1. Chronik 16,33

Nach wie vor werden die Nachrichten in diesen Tagen und Wochen vom Krieg in Ukraine und seinen Folgen beherrscht. Daneben gehen die Klimanachrichten fast unter: Trockene Flüsse, Gletscherabbrüche, auf der anderen Seite der Erdkugel wieder Überschwemmungen, Stürme, Fluten – die Welt aus den Fugen. In unserer Nachbarschaft Waldbrände und vertrocknende Pflanzen. Bäume haben unter den von uns verursachten Bedingungen nichts zu lachen.

 

Der Jubel der Bäume im Monatsspruch für August hört sich bedrohlich an: Die Bäume jubeln schadenfroh angesichts des Gerichtes Gottes über die Erde, über uns Menschen. Da könnten wir angesichts der Bilder aus Norditalien oder Ostaustralien tiefsinnig werden.

 

Der Monatsvers aus dem 1. Chronikbuch begegnet in einem Gebet: Das Dank- und Jubelgebet anlässlich der Aufstellung der Bundeslade in Jerusalem, das gerade zur Hauptstadt gemacht worden war. In der Mitte der Gemeinde steht die Lade als Zeichen der Gegenwart Gottes. Wenn Gott in die Mitte kommt, in unserer Mitte seinen Platz einnimmt, sortiert sich alles neu, wird alles neu ausgerichtet. Es geht beim Gericht Gottes nicht vorrangig um Beurteilung und damit um drohende Verurteilung. Der Sinn dieses Gerichtes ist ein Gerade-Richten, Zurechtbringen all dessen, was bisher schiefläuft. Es wird die Erde, die Lebenswelt von uns Menschen sozusagen neu verfugt, neu bewohnbar gemacht.

 

Keine Frage: auch heute, 3000 Jahre nach David in Jerusalem und der Bundeslade als neuem Mittelpunkt ist solch eine Neuausrichtung nötiger als damals, so scheint es. Wir sind uns inzwischen weithin einig, dass viel, sehr viel getan werden muss, damit die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen wenigstens gestoppt wird, von Wiederherstellung noch gar nicht zu reden, Aber es muss um jeden einzelnen kleinen Schritt gerungen werden. Dier Ukraine-Krieg macht es einerseits noch dringlicher, auf die sogenannten erneuerbaren Energien umzustellen, andererseits werden in der Not auch wieder Schritte zurück erwogen: doch wieder mehr Kohleverbrennung oder gar Atomkraftwerksverlängerungen als Notmaßnahmen. Für Bäume und ihre Belange ein Trauerspiel, und die können nicht einmal auswandern.

 

An Umweltschutz hat David in dem von ihm angeordneten Lobpreis sicher nicht gedacht. Das Bild ist erst einmal nur eine Übertreibung: der Jubel über Gottes Gegenwart unter Menschen schwappt über in eine Sphäre, aus der eigentlich keine sichtbare Reaktion zu erwarten ist. Dass selbst die unbeweglichen Bäume jubeln zeigt nur, wie die Gottesfreude um sich greift. Wenn selbst die Bäume Jubeln, muss die Begeisterung derer, denen Mund und Stimme gegeben ist, ja noch viel größer sein und überschwappen.

 

Für uns aber heißt das alte Gebet: Das Leben der Bäume ist Maßstab für unsere Haushaltung. Es geht nicht um ein paar Reparaturen an unserem Ökosystem, sondern um ein dauerhaft tragfähiges Gleichgewicht von Verbrauch und Wiedergewinnung. Man sollte es nicht denken, aber auch dafür sind wir als Gottesgemeinde da: Einen Beitrag dazu zu leisten, dazu zu ermuntern, hier zu warnen. Damit wird unserem ursprünglichen Auftrage gerecht werden: nicht die Erde zu beherrschen und auszubeuten, sondern die gesunderhaltenden Mechanismen der Natur zu beherrschen und als Gärtnerinnen den „Garten Eden“, das Paradies, die Erde, wie sie ursprünglich von Gott gemeint war, zu bewahren. Gärten sind ja nicht für Wildwuchs da und den Kampf jeder Pflanze gegen jede andere um Lebensraum, sondern Gärten sind Gärten erst durch die Gärtner, durch uns, die ordnend eingreifen.

 

Der Jubel der Bäume des Waldes ist übrigens sattes Grün, nicht ohrenbetäubend, sondern rauschend oder nur sanft säuselnd. Wir wünschen Ihnen in diesem Sommer viel Grün und Sonnenstrahlen an fröhlichen Tagen,

Ihr Pfarrer Hartmut Scheel

Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen,der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein...

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

in einigen Tagen feiern wir Pfingsten, das dritte große Fest im Kirchenjahr. Wie schon Weihnachten und Ostern zuvor, liegt auch dem Pfingsttag eine spektakuläre Geschichte der Bibel zu-grunde. Sie erinnern sich?! Die Jünger und Jüngerinnen waren alle in Jerusa-lem versammelt, so wie Jesus es ihnen vor seiner Himmelfahrt aufgetragen hatte. Plötzlich kam ein gewaltiger Wind auf und erfüllte das Haus, in dem sie sich aufhielten. Zungen, die wie Feuer aussahen, kamen vom Himmel herab und setzten sich auf jeden von ihnen. Und auf einmal waren sie in der Lage, das Evangelium in den verschie-densten Sprachen zu predigen, so dass alle, die sich in der Stadt aufhielten, sie ohne Mühe verstehen konnten. Gott hatte seinen Heiligen Geist vom Him-mel gesandt – und das erste – was er auf dieser Erde bewirkte, war Verständi-gung. Die Menschen hörten auf einmal ihre Muttersprache; und sie blieben ste-hen; wurden aufmerksam; fühlten sich angesprochen. Doch wie war das mög-lich, dass diese einfachen Männer aus Galiläa so reden konnten? Jedem war klar, dass hier etwas Besonderes, etwas Höheres geschah, dass Gott selbst hier ein Wunder gewirkt haben muss. Schon allein deswegen hörten sie der Predigt der Jünger noch aufmerksamer zu – und erfuhren von einem Gott der Lie-be, der seinen Sohn in die Welt gesandt hat, um uns Menschen ganz nahe zu kommen. Der uns durch Christus zei-gen wollte, wie eine Welt Wirklichkeit werden kann, die dem Willen Gottes entspricht; eine Welt, in der mehr und mehr Verständigungunter den Völkern möglich ist; eine Welt des Friedens und der Barmherzigkeit.

 

Bei vielen, die den Jüngern an jenem Pfingsttag zuhörten, fiel diese Bot-schaft auf fruchtbaren Boden – und sie begannen, an diesen Gott der Christen zu glauben. Sie schlossen sich den Jün-gern an und bildeten mit ihnen zusam-men die allererste christliche Gemeinde. Deshalb sehen viele Gläubige im Pfingsttag auch die Geburtsstunde der Kirche.Mag sein, oder auch nicht. Vor allem aber ist Pfingsten der Tag, an dem wir das Kommen des Heiligen Geistes fei-ern und durch sein Da-Sein das Bleiben Gottes inder Welt. Der Geist Gottes gibt uns die Kraft, auch heute noch dem Vorbild Jesu zu folgen. Aufeinan-der zuzugehen, einander zu vergeben. Erhilft uns, neue Wege zur Einheit zu finden – und umzusetzen. Und ergibt uns den Mut, auf Gottes Zusagen zu vertrauen und im Glauben weiterzuge-hen, auch wenn so vieles in dieser Welt noch im Argen liegt.

 

Am Pfingsttag in Jerusalem berührte der Himmel einmal mehr die Erde. Und wieder veränderte diese Berüh-rung die Welt. Zuerst nur die begrenzte Welt der Gläubigen in Judäa, ihr Han-deln und ihr Reden. Doch dann, nach und nach, auch die Welt anderer Völ-ker. Denn das Evangelium verbreitet sich bis heute immer weiter. Begonnen hatte alles mit einer kleinen Gruppe JüngerInnen, die bereit waren, Zeugen Jesu zu sein; die den Mut hatten, das, was sie mit ihm erlebt und erfahren hat-ten, anderen zu erzählen, selbst auf die Gefahr hin, wegen ihrer Worte verlacht, verprügelt – oder sogar getötet zu wer-den. Ihren Glauben schöpften sie da-bei aus ihrer Erfahrung – ihren Mut aber schöpften sie aus der Kraft Got-tes, die in ihnen war. Begonnen hatte al-les aber auch mit einer Gruppe Menschen, die aus aller Herren Länder kamen, die dann am Pfingsttag eine Predigt in ihrer eigenen Sprache hörten – und sich daraufhin aufmachten, ihren Völkern von diesem Gott zu erzählen. Begonnen hatte alles vor allem mit un-serem treuen Gott, der uns Menschen nach der Himmelfahrt Jesu nicht allein ließ. Er schenkte uns seinen Geist – und erfüllte damit seine Zusage, dass er uns nicht verlassen wird, sondern im-mer bei uns bleibt, bis ans Ende aller Zeiten. Darauf können wir fest ver-trauen! Ich wünsche Ihnen einen se-gensreichen Frühsommer!

Pfarrerin Ute Pfeiffer

 

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