Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Prediger 3,11

Das Buch Prediger ist ein Buch über Lebenserfahrung. Es ist ein Buch geschrieben mit Lebenserfahrung. Ein Mensch betrachtet die Welt im Rückblick und versucht Bilanz zu ziehen. Beim ersten Lesen hat man den Eindruck, der Prediger sieht die Welt recht düster. Das liegt auch am Anfang des Buches: „Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel. Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne? Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt immer bestehen.“ (Prediger 1,2-4) Ein Staubkorn auf einem unbedeutenden Planeten, der eine entlegene Sonne in den unendlichen Weiten des Universums umkreist – so kann ich mein Leben in der Tat beschreiben. Und einige Menschen erzählen mir, dass sie das ähnlich wahrnehmen, wenn sie in den Sternenhimmel schauen oder über die Weiten des Meeres bis zum Horizont oder von der Spitze eines Berges in die wolkenverhangenen Täler ringsum. Majestätisch ist das Wort, dass mir für solche Eindrücke einfällt. Majestät ist Latein und heißt: Größe, Erhabenheit und Hoheit. Majestät ist ursprünglich Eigenschaft einer Gottheit. Der römische Kaiser Tiberius soll der erste gewesen sein, der Majestät als Herrschertitel führte. Den Prediger hätte Tiberius nicht sehr beeindruckt: „Ich, der Prediger, war König über Israel zu Jerusalem […] Ich tat große Dinge: Ich baute mir Häuser, ich pflanzte mir Weinberge […] Ich sammelte mir auch Silber und Gold und was Könige und Länder besitzen […] und war größer als alle, die vor mir zu Jerusalem waren. […] Als ich aber ansah alle meine Werke, die meine Hand getan hatte, und die Mühe, die ich gehabt hatte, siehe, da war es alles eitel und Haschen nach Wind und kein Gewinn unter der Sonne.“ (Prediger 1 und 2 in Auswahl) Größe, Erhabenheit, Hoheit gehören Gott. Und Gott deutet sie an in seiner Schöpfung. Mir, Mensch, bleibt sie zu betrachten – ob ich Kaiser bin oder Bettelmann. Und selbst wenn ich Kaiser bin, Sternenhimmel, Meer und Gebirge flüstern ganz deutlich: „Denke daran, dass du sterblich bist.

 

Wir werden noch da sein, wenn du lange gestorben bist.“

 

Noch etwas anderes erlebe ich, wenn ich in den Sternenhimmel schaue oder über die Meereswellen zum Horizont oder vom Berggipfel in die Täler: Die Schönheit trifft mich. Und bei aller Last und Vergeblichkeit im Leben, und davon schreibt der Prediger ausführlich, ergreift die Schönheit der Schöpfung mein Herz. Mir ist es dann egal, auf welche Weise sich der Mond um die Erde, die Erde um die Sonne, die Sonne um den Mittelpunkt der Milchstraße dreht. Ich glaube in solchen Momenten: Hier gehöre ich hin. Und ich werde bleiben.

 

„Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“ (Prediger 3,11)

 

Einen schönen Herbstanfang wünscht Ihnen

Ihr Paulus Hecker.

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