Angedacht

Wie lebt es sich in unserer Gemeinde? Welches Bild von Kirche erhalten Menschen, die nur zufällig oder bei Gelegenheit mal bei uns vorbeischauen? Wie nehmen neu zugezogene Kirchenmitglieder unser Gemeindeleben wahr? Und wie nehmen wir uns selbst wahr – in unserem Bezug zu den anderen, die mal häufiger, mal weniger häufig Gottesdienste aufsuchen, zu Veranstaltungen in unseren Räumen kommen, vorbeischauen im Gemeindebüro, im Weltladen in der Baumschulenstraße, beim allmonatlichen Garteneinsatz in Johannisthal, in den Pfarrsprechstunden.

 

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen…

 

So steht es über dem Eingangsportal der Baumschulenweger Kirche. Von diesem Spruch aus dem Johannesevangelium leitet sich ihr Name Kirche Zum Vaterhaus ab. Der Name klingt altertümlich und, so nehme ich an, für Außenstehende fremd. Vaterhaus lässt schnell den problematischen Begriff Vaterland assoziieren. Der hat in Zeiten neu aufkeimender Nationalismus-Debatten schnell einen faden Beigeschmack. Ist das nicht viel zu exklusiv? Und – für viele immer wichtiger – wo bleibt da die Mutter, das Mütterliche?

 

Die Aussage Jesu ist eingebettet in die sogenannten Abschiedsreden, mit denen sich Jesus wortreich von den Seinen verabschiedet. Er möchte seinen Weggang positiv deuten und zugleich eine tröstliche Perspektive für das Leben der Menschen eröffnen.

 

Aber ist dieses Haus nun tatsächlich ein weites, offenes Haus, in dem alle Platz finden, wo unterschiedliche Erwartungen, Ansprüche, Lebensentwürfe und Biographien Raum haben?

Es ist unsere Aufgabe, dieses Haus Gottes zu füllen, es mitzugestalten und ihm die Weite zu schenken, die ihm von Gott zugesichert worden ist. Ein Haus, in dem gemeinsam gelacht, gefeiert, gegessen und getrunken wird, das sicherlich auch mal den Ort wechseln kann. Neue Bewohnerinnen und Bewohner kommen hinzu und bereichern die Ausstattung der Zimmer, andere gehen. Sie hinterlassen Lücken. Es wird angebaut, ausgebaut, mitunter auch abgerissen. Manche Menschen werden darin auf Zeit beherbergt. Es ist ein Kommen und Gehen. Und es bietet noch so viel mehr: Ohren, die zuhören, Hände, die anpacken, Gärten, die Erholung versprechen. So vieles ist hier möglich und so viele Hoffnungen werden darinnen wahr.

In seinem Hause bietet Gott seinen Kindern elterlichen Schutz an. Es ist für alle da. Dies gilt, weil er seinen Sohn vorweggeschickt hat, um es vorzubereiten. In seinen schirmenden Wänden gehören sie zusammen, gehören sie zu ihm. Und dieses Haus steht nicht nur in der Baumschulenstraße, nicht nur am Sterndamm, es findet sich zu vielerlei Zeiten an unterschiedlichsten Orten, selbst da noch, wo Zeit und Ort vorbei sind.

 

Denn Christus spricht:

 

Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Sonst hätte ich euch nicht versprochen: Ich gehe dorthin, um einen Platz für euch bereit zu machen. Und wenn ich dorthin gegangen bin und einen Platz für euch bereit gemacht habe, werde ich wiederkommen. Dann werde ich euch zu mir holen, damit da, wo ich bin, auch ihr seid.

 

Ich wünsche Ihnen alle eine gesegnete Zeit durch den Frühling,

 

Ihre Julika Wilcke.

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