Gott spricht

Zu mir? Naja, eher selten. Meist fällt mir erst dann, wenn alles vorbei ist, auf, was wann von Gott gekommen sein könnte. Ich zieh halt meinen Stiefel durch … und ja, viele Probleme kommen genau daher: Wir haben unsere Strukturen, Systeme und Gewohnheiten. Vor allem, wenn um uns herum alles zu zerbrechen scheint, dann sind es die alten Sachen, an denen wir festhalten.

Und weil Gott ja auch irgendwie alt ist und sowieso die Kirche, deshalb glauben wir gern, dass dieses bewahren wollen, das Konservative, ebenfalls Gottes Ding sei. In diesem einen Lied heißt es zwar ‚Bewahre uns Gott, behüte uns Gott‘, doch weitere Hinweise auf Gott, die Bewahrerin, oder den Bewahrer habe ich bisher nicht gefunden.

Siehe, ich mache alles neu, sagt Gott ja dieses Jahr mit der Jahreslosung nicht das erste mal zu uns. Im Gegenteil. Es fängt alles an mit Gott dem Schöpfer. Das ist auch der bedeutendste, religionsverbindende Konsens. Als alles noch ganz neu war, da war da Gott. Immer wenn alles ganz neu ist, dann ist da Gott.

Im Neuen liegt Gottes Segen. Und dass Gott uns bewahrt und behütet, das genügt. Nicht wir müssen Altes bewahren oder gar Angst vor Veränderung haben. Wieso eigentlich den ‚Stiefel durchziehen‘? 2026 sollten wir unsere Turnschuhe schnüren, die Riemen unserer Sandalen ordnen und auf High Heels tanzen.

Ihnen ein behütetes und gesegnetes neues Jahr!

Pfarrerin Carmen Khan