Mit dem VIP-Bus auf Kaisertour

Regen empfing die Teilnehmer der diesjährigen Seniorenfahrt in die Schorfheide. Zu früh Gekommene stellten sich bei EDEKA unter, bis der Bus vorfuhr. Nach dem Einsteigen zählte Pfarrerin Wilcke die Häupter aller Lieben und stellte fest, dass eine Teilnehmerin fehlte, sie hatte den Termin vergessen. Mit kleiner Verspätung ging es dann los. Zu meiner Verblüffung fuhr der Bus in Richtung Schönefelder Kreuz, bevor er auf den östlichen Autobahnring nach Norden abbog. Die Autobahn war erfreulich leer, wir kamen gut voran, im Gegensatz zum stop-and-go-Verkehr auf dem südlichen Ring bei flirrender Hitze ein Jahr zuvor. Die Landschaft draußen hatte etwas Beruhigendes: saftig grüne Wiesen im leichten Dunst, und Wälder, die in verschiedenen Grüntönen leuchteten.

 

Trotz des leichten Nieselregens döste eine Katze auf dem Platz vor dem Kaiserbahnhof – der ersten Station unseres Ausflugs an den Werbellinsee. Es ist ein lustiges Gefühl, aus einem Bus mit der Aufschrift VIP an einem Bahnhof auszusteigen, an dem einst der deutsche Kaiser in eine Kutsche umstieg, um sich zu seinem Jagdschloss Hubertusstock bringen zu lassen. Jetzt halten auf dem Vorplatz zwei Buslinien, und der aufwendig restaurierte Bahnhof ist nur noch Bedarfshaltestelle der Niederbarnim-Bahn.

 

 

Superlative kann der Werbellinsee kaum aufbieten, er ist nur der zweitgrößte See in der Schorfheide und nach dem Stechlin auch nur der zweittiefste See in Brandenburg, aber er ist wunderschön. Immerhin soll seine Uferstraße die längste in Brandenburg sein. Auf dieser fuhren wir nun bis zum ehemals kaiserlichen Jagdschloss Hubertusstock. Von hier aus ging der letzte deutsche Kaiser in der Schorfheide auf die Jagd, aber auch seine sozialdemokratischen Nachfolger der Weimarer Republik, die Nazis und die DDR-Bonzen jagten in der Schorfheide.

 

Das eher bescheidene Schloss ist heute ein Kongresszentrum. Der Busfahrer nutzte den Parkplatz zum Wenden, und zurück ging es auf der gleichen Uferstraße mit ihren eher seltenen Durchblicken auf den See, vorbei an der ehemaligen Pionierrepublik, die die Wende überlebt hat und heute ein internationales Jugendzentrum ist.

Auf der Wiese vor den Gebäuden der Fischerei hat man eine Sammlung von Findlingen zusammengetragen. Im Fischladen gab es geräucherte Maränen zu kaufen, kleine schmackhafte, grätenarme Fische, die im Werbellinsee vorkommen. Im glasklaren Wasser des Sees tummelten sich beachtliche Schwärme von Jungfischen, ein nicht alltäglicher, erfreulicher Anblick.

Nächste Station der Busfahrt war das Mittagessen im Dörfchen Parlow. Auf einer Lichtung am Straßenrand standen zwei tropfnasse Kraniche, und auf der weitläufigen Wiese vor dem Restaurant war außer einer kleinen Herde grasender Schafe nichts zu sehen. Die Tierwelt hielt sich bei dem Dauernieselregen lieber verborgen.

Die Gaststätte war klein und gemütlich, unsere Busladung hatte gerade Platz darin. Das Essen war sehr gut, meine Wildsülze erwies sich sogar als hervorragende Wahl und die Bratkartoffeln schmeckten fast wie „bei Muttern“.

 

Im Gegensatz zu den jungen Heiden von Kummerow trafen wir schließlich nicht auf Schusters Rappen, sondern mit etlichen PS auf der letzten Station, dem Marktplatz von Angermünde, ein. Statt einer Straßenschlacht schlugen wir hier zunächst die „Schlacht am Kuchen-Buffet“.

 

Nach dem Kaffeetrinken mit einem Riesenstück Apfel-Streusel-Kuchen und Kaffee satt ging es in die Marienkirche, die mit einer Wagnerorgel ausgestattet ist. Auf dieser Königin der Instrumente gab uns der Kantor noch ein 15-minütiges Konzert.

 

Übrigens habe ich in der Marienkapelle der Kirche die Reste des alten geschnitzten Altars bewundert. Ein Abendmahlsbild zeigt einen bejahrten Jesus mit einem seiner Jünger auf dem Schoß.

 

Das Orgelkonzert in der Kirche war der krönende Abschluss der Tour. Die Rückfahrt über die Autobahn verlief problemlos.

 

Ihre U. Braditz

 

PS: Die geräucherte Maräne habe ich abends mit großem Appetit gleich aus dem Papier verspeist.

Aus dem Gemeindekirchenrat

Im Mai lag ein erster Entwurf unseres Kita-Konzepts vor. Seither gab es noch die eine und die andere Ergänzung und Korrektur. In unserer Juni-Sitzung konnten wir nun das kurzgefasste Trägerkonzept für Gründung und Bau einer Evangelischen Kindertagesstätte beschließen. Damit ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum gemeindeeigenen Kindergarten genommen, denn nun kann das Projekt beim örtlichen Träger der Jugendhilfe vorgestellt und ein Antrag bei der Kitaaufsicht des Landes Berlin gestellt werden.

 

Das Kirchenasyl der iranischen Familie, der wir im vergangenen Jahr Schutz in unseren Räumen gewährt haben, ist mittlerweile beendet. Die Familie befindet sich nun im regulären Asylverfahren.

 

Wir haben uns entschieden, für Kirche und Gemeindehaus noch einmal 30 Stühle nachzurüsten, weil in der Vergangenheit viele Stühle aussortiert werden mussten. Dabei haben wir uns für das bewährte Modell aus dem Gemeindesaal entschieden, da sich diese Möbel im Alltag gut handhaben lassen und sehr robust sind.

 

Für die flexible Nutzung von Mobiliar in Garten, Turmhalle, Vorplatz oder Kirche werden wir zusätzliche Bierbänke und passende Tische anschaffen, die aus nachhaltiger Produktion stammen und ebenfalls sehr langlebig sind.

 

Der Freifunk Berlin hat in der Mai-Sitzung seine Initiative zur Anbindung und kostenlosen Versorgung unseres Stadtteils mit Internet (WLAN) vorgestellt und um eine Nutzung des Kirchturms als Verteilerstandort gebeten. Daraufhin hat der GKR beschlossen, dieses nichtkommerzielle Projekt durch Bereitstellung der Räumlichkeiten und eine finanzielle Beteiligung mit zu unterstützen. Mehr Informationen zu dieser Initiative finden Sie auch unter
https://berlin.freifunk.net.

 

Und zu guter Letzt: Der GKR möchte im kommenden Jahr gerne mal wieder eine Gemeindefahrt initiieren, zu der alle herzlich eingeladen sind. Wir haben hierfür bereits in der Evangelischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Hirschluch Plätze reserviert, und zwar für die Zeit vom 8. bis 10. Mai 2020.

 

Ihre Julika Wilcke.

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