33 Jahre Partnerschaft mit Emmen

ein Resümee

Am ersten Advents-Wochenende 2017 treffen sich die Emmener Freunde - die „Berlin-Gruppe“ - und die Baumschulenweger Gemeinde zum letzten Mal in Berlin, mindestens in der Regelmäßigkeit und mit der Anzahl der Teilnehmer wie in den zurückliegenden 33 Jahren.

 

In dieser langen Zeit sind Kontakte und Freundschaften entstanden, die auch weiter gepflegt werden - man wird sich Weihnachts- und Ostergrüße schicken, zum Geburtstag gratulieren oder sogar besuchen oder einfach treffen, aber eben nicht mehr durch die Gemeinden organisiert. - 33 Jahre Partnerschaft heißt auch: Wir sind 33 Jahre älter geworden - das Reisen fällt inzwischen schwerer und das Bedürfnis nach „Pause“ bei den organisierten Programmen und Vorträgen wird größer, das Zuhören wird schwieriger und das Sich-Bewegen auch.

 

Was uns aber bleibt, ist die Erinnerung an interessante Begegnungen, liebevolle Aufnahme in den Familien, intensive Gespräche, herzhaftes gemeinsames Singen und touristische Entdeckungen - festgehalten in einer immerhin vier Seiten umfassenden tabellarischen und zwei bebilderten Chroniken Fast jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Im April 1979 - wir hatten ja noch tiefste DDR - regt Pfarrerin Be’Ruys auf einer niederländischen Frauenkonferenz an, kirchliche West-Ost-Kontakte aufzunehmen. Das war aus westlicher Sicht nur natürlich, aber jeder „West“-Kontakt von unseren Bürgern wurde von offizieller DDR-Seite mindestens misstrauisch verfolgt.

 

Im Frühjahr 1980 und im Dezember 1982 besuchten das Ehepaar Haveman aus Emmen Berlin und hier gibt es Gespräche mit Pfarrer Meinel und einen Gemeindeabend. Die Havemans werden zu Hause davon berichtet haben und so schrieb im Juni 1984 deren Pfarrer. G. D. Harmsen aus Emmen einen Brief an unseren Pfarrer Wolfgang Meinel mit einer Anfrage zu Kontakten zwischen beiden Gemeinden. Ob Herr Meinel nun sich zu diesen eher privaten Kontakten eine Zustimmung der Kirchenleitung einholen musste oder selbstbewusst eine Emmener Delegation einladen konnte, wissen wir heute nicht mehr. So kam es am 2.12.1984 zum ersten Besuch aus Emmen in Baumschulenweg - also am 1. Advent vor 33 Jahren zum Plätzchen-Gottesdienst.

 

Ähnliche „West“-Kontakte hatte unser Chor zu einer Gemeinde in Isselhorst und auch die Johannisthaler Gemeinde nach Meschede. Nun waren die Besuche anfangs nur in einer Richtung möglich und für die Emmener, die geduldig die Kontrollen an der deutsch-deutschen Grenze auf sich nahmen, mit rund 600 km Autofahrt eine noch immer von uns sehr hoch geschätzte solidarische Aufopferung, verbunden mit der Übergabe gesammelter Spenden. Unsere Geschenke nach Emmen waren eher symbolisch wie die Übergabe eines Herrnhuter Adventssterns.

 

In Gemeindeabenden und touristischen Ausflügen - in unser Stadtzentrum und nach Potsdam - entstanden engere Verbindungen, ja sogar Freundschaften mit Besuchen auch außerhalb der meist zweimaligen organisierten Besuche der Emmener in Berlin, z. B. der Havemans bei Böhnkes oder der Brondas bei Müllers. Auch selbst organisierte Wanderungen in Berchtesgaden, die Besichtigung von Amsterdam oder Camping an der Nordsee fanden in kleinerem Kreis statt. Auch die Jugend aus Emmen traf sich seit 1988 mit der Jungen Gemeinde in Berlin; letztlich hatte Willem Mulder mit seinen Initiativen dabei den Hauptanteil, dass solche Treffen zustande kamen.

 

Wie sehr die Verbindungen von aktiven Organisatoren abhängen, sehen wir daran, dass, wenn der „Kopf“ nicht mehr da ist, auch die Gruppe „einschläft“. Willem Mulder zog Ende der 90er Jahre aus Emmen weg und so fehlt der „Berlin-Gruppe“ genauso der jugendliche Nachwuchs wie unserem Arbeitskreis Ökumenischer Partnerschaft. Wir kommen an anderer Stelle noch einmal darauf zurück.

 

Und irgendwie stand die Partnerschaft unter dem Segen des Herrn. Schon fünf Jahre nach dem ersten Treffen, öffnete sich das Tor Richtung Westen, die Emmer standen mit uns an der Köpenicker Landstraße in der Menschenkette der Solidarität und Freude über den Fall der Berliner Mauer. So reisten wir im April 1990 das erste Mal im Trabant oder Wartburg nach Emmen, wurden dort sehr herzlich empfangen und erlebten den Königinnen-Tag im nahen Loppersum, an dem die niederländische Königin „zum Greifen“ nahe an der feiernden Bevölkerung war. Bei den weiteren Treffen lernten wir die niederländischen Städte Groningen, Zwolle, Deventer und Ootmarsum kennen, um nur einige zu nennen - immer ein interessantes touristisches Programm! Und neben den Sehenswürdigkeiten Berlins konnten wir den Emmener Freunden im Laufe der Jahre auch den Spreewald, Lutherstadt Wittenberg, Kloster Chorin und das Schiffshebewerk Niederfinow zeigen.

 

Im Januar 1992 mahnten uns die niederländischen Freunde, dass Feiern und Ausflüge zu wenig für eine Partnerschaft sind und künftig jedes Treffen ein zu besprechendes theologisches Thema - z.B. Glauben, interreligiöser Dialog - oder aktuelle politisch-religiöse Probleme haben sollte.

 

Und die Partnerschaft wurde größer. Wieder gibt es eine kleine Vorgeschichte: Wir - die Familie Wesseli - sind 1991 in ein Rüstzeitheim der Evangelischen Landeskirche Sachsens gereist. Die Andachten, die Auslegungen von Bibeltexten und die zwanglosen Begegnungen, begleitete ein älterer, sehr aufgeweckter, wendiger Kantor - der Kantor der tschechischen Brudergemeinde aus Usti. Jaromir erzählte vom Gemeindeleben und über die insbesondere finanziellen Schwierigkeiten beim Aufbau eines Gemeindehauses. Ende 1992 berieten wir im Gemeindekirchenrat, wie wir unseren neuen „Reichtum“ mit Brüdern und Schwestern östlich von Oder, Neiße und Elbe teilen konnten, so wie es viele bundesdeutsche und westeuropäische Gemeinden zu DDR-Zeiten getan haben. Nach meinem Vorschlag, Kontakte nach Usti aufzunehmen und für das Gemeindehaus zu spenden, reisten wir schon im Frühjahr 1993 dorthin und erlebten ein sehr herzliches Entgegenkommen.

 

Und auch die Emmener Freunde waren gern bereit, sich in die neue Partnerschaft einzubringen. So reisten wir einige Jahre gemeinsam nach Usti und die Freunde aus Usti kamen nach Berlin zu gemeinsamen Treffen, u.a. zu dem Treffen mit der großen Anzahl von 90 Teilnehmern auf dem Campingplatz am Krossinsee. Leider „schlief“ die Verbindung mit Usti nach knapp zehn Jahren ein, eben wieder, weil unser tschechischer Organisator Jaromir immer schwächer wurde (er war schon weit über 80 Jahre alt) und sicher haben auch finanzielle und die Sprachschwierigkeiten dazu beigetragen, dass aus der Dreier-Beziehung wieder die gewohnte Verbindung Emmen - Berlin wurde.

 

Auch hier fanden wir zur Verminderung der beschwerlichen Reisen einen Kompromiss und wir trafen uns „auf halbem Weg“ - nahe Detmold, zweimal in der Lüneburger Heide, in Bad Gandersheim, in Wernigerode und zuletzt in Gernrode. Und jedes Mal freuten wir uns, einander zu sehen, zu umarmen und Gedanken auszutauschen. Sicherlich zu den traurigen Momenten einer Partnerschaft gehört, vom Ableben der Freunde zu erfahren - Frits und Marje Stegeman, Jenne Springer, Jan van Eijsden und Henk Scholten sowie Anneliese Höcker und Albrecht Simmer gehören dazu.

 

Auch organisatorische Veränderungen gab es sowohl bei den Emmern als auch bei uns. In Emmen wurden Kirchen fusioniert, so dass die Vorhof-Kirchengemeinde in die Schepershof-Kirche überging und in Baumschulenweg begleiteten uns allein vier Pfarrer. Dabei nahmen die Emmener immer mit einer kleinen Delegation an Einführungs- und Verabschiedungs-Gottesdiensten in Berlin teil und übergaben Pfarrer Kees ein besonderes, bleibendes Geschenk - selbstgefertigte Stolen, die über dem Talar getragen werden. Auch dafür sei ihnen herzlichst gedankt.

 

So blicken wir auf 33 Jahre gelungener Partnerschaft zurück und beenden die Organisation regelmäßiger Treffen, nicht aber die Freundschaften und schon gar nicht die Erinnerung an liebenswerte Menschen.

 

P.S. Im Gemeindesaal zeigen wir bis ca. 20.01.2018 eine Foto-Galerie aus 33 Jahren partnerschaftlicher Veranstaltungen.

 

Michael Wesseli

Ausschnitt aus der Chronik

24.-26.09.1993

B’weg

 

„Wie sind wir so geworden?“, Ausflug zum Kloster Chorin und Schiffshebewerk Niederfinow

 

 

29.04.-01.05.1994

Emmen

 

 

„Nehmt einander an (Gewalt unter uns)“; Ausflug nach Groningen

 

 

12.05.1994 Himmelfahrt

Berlin

 

JG: 13 Jugendliche aus Emmen in Berlin, Thema „Glück“, Ausflüge: Stadtzentrum Berlin, Potsdam und Kloster Chorin

 

 

Begegnung der Jungen Gemeinden

1994 im Mai

Güstrow

Klencke-Nachfolgekonferenz, Thema „Der Traum ist aus!?“

 

 

25.09.1994

Usti

Einweihung des Gemeindehauses

Beteiligung von Gemeindemitgliedern aus Usti

 

07.-09.10.1994

B‘weg

„Gewalt unter uns“

 

 

Okt. 1994 

Emmen

JG: Besuch aus Berlin

 

Begegnung der Jungen Gemeinden

17.-19.02.1995

B’weg und Usti

am 18.02.1995 Fahrt mit fünf Baumschulenwegern und vier Emmenern nach Usti, um erste gemeinsame Kontakte aufzunehmen

 

Beteiligung von Gemeindemitgliedern aus Usti

02.-05.06.1995

Berlin

Pfingsten mit 90 Teilnehmern aus Emmen, Usti und Berlin (Zeltplatz am Krossinsee); Thema „Geist“,  Ausflug in den Spreewald und Dampferfahrt „Unter den Brücken von Berlin“

 

Beteiligung von Gemeindemitgliedern aus Usti

01.10.1995

Usti

Fest-Gottesdienst

Beteiligung von Gemeindemitgliedern aus Usti

 

1995 (Oktober)

Emmen

 

„Gottesdienst“

 

27.-28.04.1996 Usti

„Wer sind wir, warum sind wir hier?“, Ausflug zu den Tiske Steny und der Burg Strekov

Beteiligung von Gemeindemitgliedern aus Usti

 

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